Betonwände, Holzbalken, Ziegelsteine: Gebäude und Straßen stecken voller Rohstoffe, die beim Rückbau bisher als Abfall enden oder nur in Teilen minderwertig verwertet werden. Im Rahmen ihrer Zero Waste Strategie hat sich die Landeshauptstadt München zum Ziel gesetzt, eine Baustoffbibliothek für München zu etablieren. Sie soll Transparenz über die materielle Zusammensetzung von Gebäuden schaffen und dabei helfen, zukünftige Materialströme im Gebäudesektor realistisch zu prognostizieren und im Sinne einer Kreislaufwirtschaft wieder einzusetzen. Erstellt wird der Pilot eines Gebäudematerialkatasters von der EPEA GmbH – Part of Drees & Sommer und Madaster Germany. Damit wurden bereits rund 7.500 Gebäude im Münchner Stadtteil Feldmoching-Hasenbergl ausgewertet – das Kataster kann künftig flexibel erweitert und auf weitere Stadtgebiete übertragen werden.
Urban Mining Screener
Als Hilfsmittel dient der digitale Urban Mining Screener; er soll eine schnelle und fundierte Materialanalyse ermöglichen. „Aus wenigen Eingangsdaten wie Baujahr, Bauort und Gebäudetyp lassen sich damit erste Abschätzungen zur Materialzusammensetzung von Gebäuden und ganzen Stadtteilen ableiten. Als Ergebnis entsteht ein Gebäudematerialkataster, das Transparenz über die verbauten Ressourcen und deren zirkuläre Potenziale schafft“, sagt Sarah-Caitleen Sauer, Head of Public Sector & Architecture bei Madaster Germany. Dabei werde nicht nur das verbaute Material systematisch erfasst, sondern auch, in welchen Mengen und wie viel davon bei Rück- oder Umbau wiederverwertbar ist.
Nach der Erfassung der Materialien gelte es, das Lager systematisch im Rahmen eines vorausschauenden und nachhaltigen Stoffstrommanagements zu bewirtschaften und dabei die CO2-Emissionen, den Rohstoffverbrauch und das Abfallaufkommen weitestmöglich zu reduzieren. Im weiteren Projektverlauf sollen die Ergebnisse und Erkenntnisse innerhalb der Landeshauptstadt München vorgestellt und diskutiert werden. Vorstellbar wäre, dass die Erkenntnisse weitere Projekte aus der Münchner Kreislaufwirtschaftsstrategie wie das EU-Projekt Circular Construction Finance, kurz CirCoFin, oder die Urban Mining München Initiative zur Erhöhung des Recyclinganteils in der Stadt, kurz UMMI, ergänzen.
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