Der Forschungsneubau „Der Simulierte Mensch“ (Si-M) des Büros Telluride Architektur wurde nach vierjähriger Planungs- und rund vierjähriger Bauzeit am 22. April 2026 auf dem neuen Campus für Bio- und Medizintechnologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Technischen Universität Berlin eröffnet. Ein Schwerpunkt der Forschung ist die Entwicklung sogenannter „Multi-Organ-Modelle“, bei denen mithilfe von 3D-Bioprinting oder sogenannten Multi-Organ-Chips realitätsnahe Modelle des menschlichen Körpers entstehen. Diese Systeme ermöglichen es, Krankheiten besser zu verstehen und neue Therapieansätze zu entwickeln. Gleichzeitig können Tierversuche reduziert oder langfristig komplett ersetzt werden.
Blaupause für den Forschungsbau

Auf rund 7.000 m2 stehen Labore, Büros und Begegnungsräume für etwa 150 Beschäftigte beider Institutionen zur Verfügung. „Der Si-M ist eine Blaupause für eine neue Art von Forschungsbau. Neue Zeiten erfordern manchmal neues Denken und Überdenken von klassischer Planung“, sagt Prof. Dr. Andreas Thiel, Mitgründer des „Simulierten Menschen“ und Leiter der Arbeitsgruppe „Regenerative Immunologie und Altern“ an der Charité. So zeichnet sich die Architektur des fünfstöckigen Gebäudes durch offene, flexibel nutzbare Laborstrukturen, kurze Wege zwischen Disziplinen sowie gemeinsam genutzte Technologieplattformen aus, die den interdisziplinären Austausch zwischen Medizin, Natur- und Ingenieurwissenschaften fördern. In Analogie zu seinem Forschungsgegenstand hat Telluride Architektur den Si-M als lebendigen Organismus konstruiert: Verschiedene Funktionsbereiche sind wie Zellen miteinander vernetzt, die Technologieplattformen und Begegnungsbereiche fungieren wie Zellkerne und die Fassade wie ein schützendes Gewebe. Das Architekturbüro hatte 2019 mit diesem Entwurf den Architektenwettbewerb gewonnen.
Theatron als Begegnungstätte
Die Fassade besteht aus fünf verschiedenen Elementtypen aus Glasfaserbeton. Sie sind in unterschiedlichen Kombinationen über das Gebäude verteilt und reagieren auf programmatische, funktionale und umwelttechnische Anforderungen. Im Inneren beeindruckt das rund 22 m hohe Atrium mit der geschwungenen Treppe, die sich über alle Stockwerke zieht. Das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss sind vollständig öffentlich zugänglich. Hier befinden sich das Theatron als Begegnungsstätte, eine Cafeteria sowie Patientendienste für den Austausch zwischen Klinik und Labor. In den oberen Geschossen sind Büros und Labore für Forschung untergebracht. Der Neubau wurde nach Kriterien des energieeffizienten und ressourcenschonenden Bauens geplant und wird nach dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) zertifiziert. „Der Si-M ist für einen Forschungsbau ungewöhnlich öffentlich“, sagt Joel Hahn, geschäftsführender Gesellschafter von Telluride Architektur. „Innen- und Außenräume verschmelzen. Er ist ein Ort, der Begegnungen und Austausch fördert.“
