Sesotec hat mit einem zweistelligen Millionenbetrag „das nachhaltigste industrielle Bauvorhaben in der Region“ realisiert, verkündet das Technologieunternehmen selbstbewusst. Das markante wie elegante Industrie- und Bürogebäude, das Planer der Münchner und Wiener Büros von Dietrich Untertrifaller – kurz DTFLR – gemeinsam mit MPS Archonic aus Stuttgart im Direktauftrag für das Unternehmen Sesotec errichtet haben, liegt am Rand eines bestehenden Gewerbegebiets im Norden der Marktgemeinde Schönberg inmitten von Naturschutzgebieten des Bayerischen Waldes. Der Entwurf reagiert auf den Ort und bettet das Ensemble gekonnt in die hügelige Landschaft ein. Dabei kommt auch erstmals eine neuartige, rückbaufähige Holz-Beton-Verbunddecke zum Einsatz, die den Anspruch von Bauherrn und Planern an einen weitsichtigen Umgang mit Ressourcen unterstreicht.
Sesotec gehört zu den weltweit führenden Entwicklern und Herstellern von Fremdkörperdetektions-, Separations- und Analysesystemen, die beispielsweise in der Lebensmittelbranche Verwendung finden. Die florierende Unternehmensentwicklung machte es erforderlich, die bestehende Firmenzentrale und Produktionsstätte im Gewerbegebiet Saunstein nördlich von Schönberg standortnah zu erweitern. Der bestehende Betrieb bleibt erhalten und soll sukzessive energetisch saniert und modernisiert werden. Für das neue Werk 2 wurde ein Areal nördlich des Industriegebiets erschlossen, das Platzreserven für mögliche künftige Neubauten bietet. Die Werkserweiterung umfasst in dem nun fertiggestellten ersten Bauabschnitt drei Hallen für Fertigung und Montage sowie Flächen für Lagerung und Transport. In das kubische Volumen fügt sich auch ein teils zweigeschossiger Bürotrakt für produktionsnahe Bereiche wie Konstruktion, Planung und Service ein.
Aneignung der bestehenden Geländeform
Während die ursprüngliche Vorgabe aus dem Bebauungsplan vorsah, das Gelände aufzuschütten, setzte das Planerteam den Baukörper mit Respekt für die vorhandene Topografie in den Hang. Die Zufahrtswege und das Erschließungskonzept bestimmen somit die Position der einzelnen Funktionsbereiche. Parallel zum Hang erstrecken sich drei eingeschossige Hallen, je nach Produktionsablauf und Lage mit gestaffelten Höhen von 12 und 9 m. Zwischen den Hallen gliedern zweigeschossige, dienende Zonen das Bauvolumen. Im hangseitigen Süden schließt an die Hallen eine Fläche zur Wertstofflagerung an. Von außen nicht einsehbar bietet der Hof ausreichend Platz für Transportlogistik und Lkw-Laderampen.
Im Westen erstreckt sich der Büroriegel über die gesamte Breite der drei Hallen und setzt sich samt Hoftor in einer einheitlich gestalteten Linie optisch bis zur Grundstücksgrenze fort. Die durchgehende Fassade im Norden, wo das Gebäude auch repräsentativ erschlossen wird, misst 120 m Länge. Im aufgrund der Hanglage im Norden und Westen freigelegten Untergeschoss finden die Sozialräume und eine Cafeteria für die Belegschaft sowie die Haustechnik Platz. Östlich sind Parkflächen vorhanden, die in einem folgenden Bauabschnitt für eine mögliche Erweiterung zur Verfügung stehen; ebenso wie ein kleineres Grundstück gegenüber der Nordseite.
Holzbauweise und innovative Deckenelemente
Insgesamt 12.080 m² Bruttogrundfläche verteilen sich auf den Neubau. Die Architektur folgt einer möglichst umweltbewussten und ressourcenschonenden Bauweise, für die das Büro Dietrich Untertrifaller steht. Der Gebäudeteil für Büros ist oberhalb des Untergeschosses als Holzbau realisiert. Die Tragstruktur besteht dabei aus Brettschichtholz-Stützen und Holz-Beton-Verbunddecken. Die vorgefertigten Bauteile sind um Holzrahmenbauelemente ergänzt. Diese wurden werkseitig bereits mit einer integrierten Mineralwolldämmung und vormontierten Fenstern gefertigt und on-time geliefert. Lediglich der Sockel und die aussteifenden Kerne sind in Stahlbeton ausgeführt. Durch den effizienten Materialeinsatz, den hohen Vorfertigungsgrad und großen Anteil an nachwachsenden Rohstoffen wird das Gebäude sowohl einem ökologischen wie auch einem wirtschaftlichen, ressourceneffizienten und zeitökonomischen Anspruch gerecht.
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