Das ehemalige Terminal A des Flughafens Berlin-Tegel wird für die Berliner Hochschule für Technik (BHT) umgebaut. Damit entsteht ein wichtiger Baustein der Urban Tech Republic (UTR), einem rund 200 ha großen Forschungs- und Industriepark. Im Rahmen eines Vergabeverfahrens erhielt agn Anfang 2017 den Zuschlag zur Generalplanung für das komplexe Großprojekt. Bereits in den vergangenen Jahren wurde intensiv an der Vorbereitung der Umnutzung gearbeitet. Seit Anfang 2023 laufen die vorgezogenen Maßnahmen. Dazu gehört die Entkernung und Schadstoffsanierung des Gebäudes, Abbrucharbeiten in den Außenbereichen, die Demontage veralteter technischer Anlagen sowie die Einlagerung von rund 40.000 erhaltenswerten, geschützten Bauteilen.
Die besondere Architektur und die Geschichte des Ortes machen das Projekt zu einer außergewöhnlichen Aufgabe. Das markante Erscheinungsbild des Gebäudes bleibt erhalten. Vier rote Fluggastbrücken prägen auch künftig seinen Charakter. Gleichzeitig wandeln sich die Parkdecks im Innenring zu einem grünen Campusplatz mit hoher Aufenthaltsqualität. Durch den teilweisen Rückbau der früheren Umfahrung entsteht zudem der sogenannte Skywalk als neues Erschließungs- und Wegekonzept für die Hochschule. Zugleich orientiert sich die Planung konsequent an den Anforderungen der Hochschule. Alle Fachbereiche werden künftig unter einem Dach gebündelt und so angeordnet, dass kurze Wege und enge Verbindungen entstehen. Gerade bei einem Sanierungsprojekt dieser Größenordnung zeigt sich der Vorteil interdisziplinärer Generalplanung und kurzen Abstimmungswegen innerhalb des Projektteams.
Vermessung per Laserscanning
Ein wesentlicher Baustein zum Projekterfolg ist die Arbeit mit der BIM-Methode. Wegen des laufenden Betriebs und stark eingeschränkter Begehungsmöglichkeiten wurde das Gebäude bei Projektbeginn per Laserscanning vermessen. Aus den dabei entstandenen Punktwolken entwickelten die BIM-Spezialistinnen und -Spezialisten von agn ein detailliertes 3D-Modell. Ergänzend wurde das Gebäude im Inneren gefilmt, sodass dieses von den Planenden mithilfe von 360-Grad-Panoramen digital begehen werden kann. Das digitale Bestandsmodell hilft unter anderem dabei, die Anforderungen des Denkmalschutzes präzise zu erfassen und zu dokumentieren. Parallel dazu wird das Modell für die künftige Nutzung als Hochschule weiterentwickelt. Im weiteren Projektverlauf dient es als zentrale Datenbasis für Planung, Bau und Betrieb. „Die BIM-Methode stellt komplexe Zusammenhänge verständlich dar und macht sie einfacher handhabbar. Mit dem Tegel-Projekt konnten wir ein digitales Denkmal schaffen, das jedes einzelne Element darstellt, dokumentiert, kartiert und in seinen Eigenschaften beschreibt,“ erklärt Elmar Rottkamp, Architekt und agn-Geschäftsführer.
Niedertemperaturnetz für Wärme- und Kälteversorgung
Auch bei der Energieversorgung setzt das Projekt auf innovative Lösungen. Geplant ist ein sogenanntes LowEx-System, also ein Niedertemperaturnetz für die Wärme- und Kälteversorgung. Anders als konventionelle Wärmenetze arbeitet dieses mit Temperaturen unter 50 °C. Das spart Ressourcen und reduziert Energieverluste. Das ehemalige Flughafengebäude bietet dafür gute Voraussetzungen. Verschiedene Energiequellen auf dem gesamten UTR-Gelände können eingebunden werden, darunter Geothermie, Wärmerückgewinnung aus Abwasser, Oberflächengewässer, Photovoltaik, Kleinwindkraft und Blockheizkraftwerke. So entsteht ein vernetztes Energiesystem für den gesamten Campus, das flexibel nutzbar ist und nachhaltige Synergien schafft. „Am Projekt Tegel wird sichtbar, wie ein optimiertes Wärme- und Kältenetz funktioniert und Energieverluste nachhaltig minimiert werden können,“ fasst Torsten Heywinkel, Ingenieur und agn-Geschäftsführer, zusammen.
Ein Interview mit Elmar Rottkamp lesen Sie hier. Details zur Gebäudeautomation finden sich hier.
