industriebaupreis2026: Das sind die Sieger

Bereits zum sechsten Mal wurde der industriebaupreis verliehen – diesmal im Rahmen der Auftaktveranstaltung des 27. Industriebauseminars am 28. Mai in Wien. Mit einem Sieger und einem Sonderpreis in der Kategorie Bauwerk und drei Gewinnern der Kategorie Nachwuchs zeichnete der industriebaupreis2026 Projekte aus, die durch das gelungene Zusammenspiel von Gestaltung, Funktion, Wirtschaftlichkeit, Konstruktion und Gebäudetechnik mit Blick auf gesellschaftliche Verantwortung und ganzheitliches Denken überzeugten. Von den insgesamt 62 eingereichten Projekten hat die Jury acht Projekte für die engere Auswahl nominiert und schließlich die Platzierungen ermittelt.

Sieger in der Kategorie Bauwerk: Gewerbekomplex Fly Parc Aérolians

Bild: Nicolas Grosmond

In der Kategorie Bauwerk ging der industriebaupreis2026 an den mehrgeschossigen Gewerbekomplex Fly Parc Aérolians. Hier haben Auer Weber Architekten in Zusammenarbeit mit DVVD Architectes, Paris, mit dem 2024 fertiggestellten mehrgeschossigen Industriebau einen weiteren Baustein für das neue Freizeit- und Gewerbegebiet Aérolians nahe des Pariser Flughafens Charles-de-Gaulle realisiert. Drei Bauvolumen in Holz-Hybrid-Bauweise, die Gewerberäume, Lagerhallen und Büros beherbergen, gliedern sich um einen Innenhof. Öffnungen zwischen den einzelnen Gebäuden ermöglichen Durchblicke und Durchwegungen. „Mit dem Fly Parc wird ein Projekt ausgezeichnet, das diese Zielsetzungen räumlich und typologisch konsequent übersetzt und als beispielhafte Typologie für neue Anforderungen im Industrie- und Gewerbebau lesbar macht“, hob Markus Weismann, Bezirksvorsitzender der Architektenkammer Baden-Württemberg, in seiner Laudatio hervor. „Der Fly Parc wird von der Jury als beispielhafter Beitrag zum Diskurs der produktiven Stadt verstanden – als hybrider Raum zwischen Dichte und Landschaft, als flexibles Gerüst wirtschaftlicher Entwicklung und als Modell eines neuen Bautyps für die Entwicklung zukünftiger Gewerbegebiete, in denen Stadt- und Landschaftsraum nicht als Gegensätze, sondern als miteinander verwobene Potenziale verstanden werden.“

Sonderpreis in der Kategorie Bauwerk: Heizwerk im B&O Bau ForschungsQuartier

Bild: Sebastian Schels

Einen Sonderpreis der Kategorie Bauwerk verlieh die Jury an ensømble Studio Architektur für das Heizwerk im B&O Bau ForschungsQuartier in Bad Aibling. Das B&O Parkgelände ist bekannt für seine experimentellen Wohnungsbauten, ein Parkhaus aus Holz und die Forschungshäuser „Einfach Bauen“ von Florian Nagler. Das Heizwerk versorgt nun diese Gebäude mit Wärme und hat als kleiner Solitär einen eigenständigen Ausdruck, eine ungewöhnliche Erscheinung für seine einfache Nutzung, mit gebrauchten Bauteilen, stadträumlichen Qualitäten und ist gut sichtbar verordnet an der Einfahrt zum Gelände. Die Jury begründet ihre Entscheidung so: „Überraschend am Heizwerk in Bad Aibling ist die spürbare Freude der Verfassenden an der Aufgabe und die fast skulpturale Anmutung des funktionalen Gebäudes, …. Aus einem notwendigen Funktionsbaustein wird ein ausdrucksstarkes Objekt, das sich selbstbewusst im Kontext verortet….  Mit Rechenzentren, Logistikzentren, notwendiger energetischer Infrastruktur steigt die Notwendigkeit rein funktionaler Bauwerke, die Teil unserer Umwelt werden und die dabei von immer weniger Menschen belebt werden. Deren bewusste, wenn auch funktional geleitete Gestaltung, ist ein gesellschaftlicher Mehrwert. … Diese gemeinsame Leistung, sowohl von den Verfassenden als auch den Bauherren, verdient hohe Anerkennung und wird entsprechend von der Jury gewürdigt“, fasst Liza Heilmeiyer, Landesvorsitzende des BDA Landesverbands Baden-Württemberg e.V., in ihrer Rede zusammen.

Kategorie Nachwuchs: The MushRoom

Entwurf: Elisa Maelle Brast, Melissa Schulz

In der Kategorie Nachwuchs gingen Elisa Maelle Brast und Melissa Schulz von der Universität Stuttgart, Architektur und Stadtplanung, mit ihrem Entwurf The MushRoom als Gewinner hervor. Vor dem Hintergrund wachsender Urbanisierung und der Herausforderungen in der Landwirtschaft untersucht das Projekt, wie bestehende Infrastrukturen zu aktiven Bausteinen einer nachhaltigen Stadtentwicklung werden können. Der stillgelegte Blackwalltunnel in London wird dabei als räumliche Ressource für eine neue Form urbaner Lebensmittelproduktion verstanden. Die spezifischen Bedingungen des Tunnels, wie Dunkelheit, konstante Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit, schaffen ideale Voraussetzungen für eine kontrollierte Pilz- und Myzelzucht. Der unterirdische Raum wird zum „Myzel der Stadt“, einem unsichtbaren Netzwerk, das Stoffkreisläufe schließt und organische Abfälle in Nahrung umwandelt.

„Der aufgelassene Tunnel wird durch die Umnutzung zum Nukleus einer landwirtschaftlichen Produktionsstätte und gleichzeitig zu einem nachhaltigen Stadtbaustein. Der Entwurf überzeugt einerseits durch ein hohes Maß an Funktionalität und Rationalität und andererseits durch Phantasie und Kreativität“, lobt Prof. Dr.-Ing. Stephan Engelsmann, Präsident der Ingenieurkammer Baden-Württemberg, den kreativen Ansatz. „Die Jury würdigt einen phantasievollen Beitrag, der unserer Gesellschaft Hinweise gibt für einen wirtschaftlich sinnvollen und gleichzeitig nachhaltigen Umgang mit vorhandenen, aber nicht mehr genutzten Infrastrukturbauwerken, deren Abriss so vermieden und deren graue Energie auf diese Weise weitergenutzt werden kann.“

Re:Food, Re:Wine

Entwurf: Julia Siesmann, Charlotte Schink, Debora Petrova, Florin Voh

Über eine weitere Auszeichnung als Sieger in der Kategorie Nachwuchs konnten sich Julia Siesmann, Charlotte Schink, Debora Petrova, Florin Voh von der Universität Stuttgart, Architektur und Stadtplanung, freuen. Sie transformierten das ehemalige Bosch-Areal in Bühlertal mit seinen industriellen Bestandsgebäuden sowohl räumlich, strukturell, programmatisch als auch ökonomisch. Dabei setzt das Projekt Re:Food, Re:Wine auf eine klare thematische Ausrichtung: Ernährung, Innovation, regionale Produktion und Kreislaufwirtschaft. „Den Verfassern ist es perfekt gelungen, nicht einfach nur eine gute Idee allen notwendigen Funktionen, die eine ländliche Umgebung und ein zu transformierender Standort benötigen aneinanderzureihen, sondern diese miteinander zu verschmelzen. Dadurch entsteht eine hervorragende Symbiose dieser teilweise sehr unterschiedlichen Nutzungsarten. Die einzelnen Einrichtungen wurden nicht isoliert betrachtet, sondern integrieren sich nahtlos in den Gesamtkontext“, betont Laudator Univ.-Prof. Dr. Christian Stoy, Leiter des Instituts für Bauökonomie der Universität Stuttgart. „Die Jury überzeugte vor allem, mit welcher Leichtigkeit in dem Entwurf ein komplexer Campus aus der großen Anzahl von Nutzungsarten zu einem schlüssigen Gesamtkonzept weiterentwickelt wurde. Die analytischen Untersuchungen aus der Arbeit wurden perfekt in einen realisierbaren Entwurf umgesetzt.“

Wandelwerk: Re:Concrete – Arbeiten, Wohnen und Leben im ehemaligen Zementwerk, Brunnen

Entwurf: Benedict Selig, Jule Lea Wöllhaf, Lukas Gross, Luca Solano Bach

Siegreich in der Kategorie Nachwuchs gingen auch Benedict Selig, Jule Lea Wöllhaf, Lukas Gross, Luca Solano Bach, ebenfalls von der Universität Stuttgart, Architektur und Stadtplanung, aus dem Wettbewerb hervor. Ihr Entwurf für das Areal in Brunnen reagiert auf die besondere Insellage zwischen Landschaft, Bahntrasse und bestehender Industrie. Ziel war die Entwicklung eines durchmischten Quartiers, das als vielschichtige Schnittstelle funktioniert: zwischen Stadt und Landschaft, zwischen Wohnen und Arbeiten, zwischen neuer Quartiersbevölkerung und bestehenden Bewohnern von Brunnen. „Die Arbeit beschreibt ein schrittweises Umnutzungskonzept für das gesamte Areal und vertieft dieses konstruktiv am Beispiel der zentralen Industriehalle. Die Aktivierung des Areals über temporäre kulturelle Zwischennutzungen und die Verdichtung durch Um- und Neubauten ist schlüssig“, betont Andreas Hofer, Intendant/Geschäftsführer IBA’27 GmbH. „Die eindrückliche Betonstruktur wird mit einer Mehrzweckhalle, einer Bibliothek, einer Produktionszone für die Herstellung naturbasierter Baustoffe und verschiedenen Werkstätten und Verwaltungsräumen neu genutzt. … Eine Hülle aus gedämmten Holzelementen, große Tore und Fensterflächen und Wellblech als Wetterschicht für die Fassaden und Dächer übersetzen die industrielle ungeheizte Struktur in ein Gebäude, das seine Vergangenheit selbstbewusst zeigt und zur monumentalen Arche im Talgrund wird.“

Darüber hinaus sprach die Jury, die durch das Auslobergremium gestellt wurde, drei Nominierungen der Kategorie Bauwerk aus. Diese gingen an:

  • Produktionshallen und Büros im Bayerischen Wald:
    Bauherr: Sesotec Immobilien GmbH + Co. KG, Dietrich Untertrifaller Architekten GmbH
  • Headquarter Kimetec Ditzingen:
    Bauherr: MHC Verwaltung GmbH, Kauffmann Theilig & Partner, Freie Architekten BDA, Partnerschaft GmbB
  • Betriebserweiterung Becherer Möbelwerkstätten:
    Bauherr: Becherer Möbelwerkstätten-Innenausbau GmbH, Justies Architekten BDA

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