Ein Jahr lang haben die Stiftung „Lebendige Stadt“, das Unternehmen Schüco International KG und die Stadt Köln eine photokatalytische Textilfassade erprobt. Sie sollte stickoxidbelastete Luft in der Kölner Innenstadt reinigen. Ein Leitfaden, der jetzt veröffentlicht wurde, dokumentiert die Ergebnisse des Forschungsprojekts.
Photokatalytischer Stickoxidfilter an der Fassade
Im Oktober 2024 haben das Forschungszentrum Jülich und das Forscherteam um Dr. Jan Serode mit Messungen an der stickoxidbindenden Textilmembran am Gebäude der Kölner Volkshochschule begonnen. (Wir berichteten ausführlich in der industrieBAU-Ausgabe 5/2025 und auch online.) Die Ergebnisse belegen nun, dass Filterleistungen von rund 30 Prozent erreicht wurden. Einzelne Tagesmessungen liegen sogar darüber. Für die weniger lichtintensive Nordausrichtung des VHS-Gebäudes sei dies nach Aussage der Verantwortlichen ein beeindruckender Wert. Im Projekt wurde nachgewiesen, dass die Filterleistung mit zunehmender Tageslichtdauer und Temperatur steigt. So hat sich der Wert der Filterleistung seit Januar 2025 kontinuierlich erhöht. Dieser positive Trend setzte sich bis zum Sommer unverändert fort, bevor sich die Werte mit der abnehmenden Tageslichtdauer und Temperatur wieder reduzierten. Bei einer Südausrichtung der Membran gehen die Forschenden von einer bis zu dreifach höheren Lichtintensität aus, wodurch die Filterleistung deutlich größer als an einer Nordfassade wäre.
Nachhaltig und recyclingfähig: Luftreinigung durch Textilmembran
Der photokatalytische Filter beim Kölner Pilotprojekt umfasste zwei bedruckte Textilmembranflächen mit einer Größe von jeweils 8 x 20 m und war mit einer digitalen Messtechnik ausgestattet. Die Membran filterte mittels aufgebrachter Wirkstoffe gesundheits- und umweltschädliche Stickoxide und wandelte diese in unschädliche Mineralien um. Die Textilfassade selbst bestand aus wiederverwerteten Materialien: Für ihre Produktion wurden über 4.400 recycelte PET-Flaschen und für die Unterkonstruktion Aluminium mit einem Recyclinganteil von 75 Prozent verwendet. Da man auf den Einsatz von Klebstoffen verzichtet hatte, kann die Textilfassade wieder dem Recyclingprozess zugeführt werden.
„Luftverschmutzung zählt weiterhin zu den größten umweltbedingten Gesundheitsrisiken weltweit“, fasst Dr. Andreas Mattner, Vorstandsvorsitzender der Stiftung „Lebendige Stadt“, die Problematik zusammen. „Die photokatalytische Fassade trägt dazu bei, Stickoxide direkt aus der Umgebungsluft zu filtern und damit einen konkreten Beitrag zu lebenswerteren Städten zu leisten.“
Die Ergebnisse der Messungen von Oktober 2024 bis Dezember 2025 wurden jetzt in einem Leitfaden publiziert. Er steht hier zum Download zur Verfügung >>
