Sonntag, 21. Juli 2024

Mit Netzwerk und KI zu geringerem CO2-Ausstoß beim Bauen mit Beton

Nachhaltige Betone sind leider noch kein Standard im Bauen. Um das zu ändern hat das Berliner Greentech-Startup alcemy die Sustainable Concrete Leaders ins Leben gerufen: ein Netzwerk aus Projektentwicklern und Bauunternehmen, die sich intensiv mit dem Baustoff Beton beschäftigen und mit besonders hohen Nachhaltigkeitsstandards agieren wollen. Nun sind neue Mitglieder dazugekommen: die Projektentwickler Urbainity und neuplan, die Baufirmen Florack und Züblin sowie der Zusatzmittelhersteller Master Builders Solutions.

Algorithmus steuert Betonproduktion

Die alcemy-Gründer Dr. Robert Meyer und Leopold Spenner. Bild: alcemy

Die beiden alcemy-Gründer Leopold Spenner und Dr. Robert Meyer verfolgen mit ihrer Softwarelösung seit 2018 die Mission, den CO2-Ausstoß bei der Zement- und Betonherstellung deutlich zu reduzieren. 2,8 Gt CO2 entfallen weltweit auf die Zement- und Betonindustrie. Das sind 8 Prozent der globalen CO2-Emissionen. Besonders energieintensiv und somit klimaschädlich ist die Herstellung von Zementklinker, der aus einem Gemisch von Kalkstein, Ton, Sand und Eisenerz bei bis zu 1.450 °C gebrannt wird. Das Greentech-Unternehmen nutzt maschinelles Lernen und Regelungstechnik zur Vorhersage der Qualitätseigenschaften von Zement und Beton. Die Technologie ermöglicht es durch minutiöse Steuerung und Überwachung, die Menge des eingesetzten Zementklinkers signifikant zu senken. Das führt bei den Zement- und Betonherstellern zu Qualitäts- und Produktionskostenoptimierung und senkt letztlich die CO2-Emissionen.

Im Netzwerk stark

Alcemy baut sein Netzwerk aus. Bild: alcemy

Um nachhaltige Betone zum Standard im Bauen zu machen, ist es jedoch essentiell alle am Bau beteiligten Akteure gleichermaßen mitzunehmen. Neben der Innovation bei der Herstellung von Zementen und Betonen sind Bauherren nötig, die mit ihrer Nachfrage den Markt stützen. Ohne die Baufirmen wird der Einsatz auf der Baustelle nicht gelingen und ohne Betonzusatzmittel werden nachhaltige Betone grundsätzlich in Zukunft nicht herzustellen sein. Aus diesem Grund wurde das Netzwerk geschaffen. Begonnen hat es mit den fünf Projektentwicklern Bonava, Covivio, Edge, hbreavis und Momeni und ist in den vergangenen Monaten auf 10 Unternehmen angewachsen.

Erste Projekte werden bereits mit CO2-reduziertem Beton realisiert: Gemeinsam mit dem Projektentwickler Edge wurde nachhaltiger Beton beim Megaprojekt Amazon Tower in Berlin ausgesteuert. Dabei konnte durch den mit der alcemy-Software hergestellten Beton 55 Prozent CO2 gegenüber dem verwendeten Standardbeton eingespart werden. In diesem Jahr folgen deutschlandweit weitere Projekte, u.a. das Trinkaus Karree in Düsseldorf, Sachs in Köln oder Edge Friedrichspark in Berlin.

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