Mit Supertrifaller rufen Dietrich Untertrifaller und 2upertecture ein Spezialbüro für kreislaufgerechte Architektur ins Leben. Unter der gemeinsamen Marke werden langjährige Planungserfahrung mit experimenteller Praxis gebündelt und Raum für die Entwicklung und Erprobung neuer Ansätze geschaffen. Kreislauffähigkeit bildet die Grundlage aller Projekte.
Der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen, kontextsensitive Planung und bewusster Einsatz nachhaltiger Materialien prägen die Arbeit von DTFLR seit der Gründung 1994 in Vorarlberg. Das Büro ist seither mit seinen Aufgaben gewachsen und überführt dieses Nachhaltigkeitsprinzip in Form von kreislauffähigen Konstruktionen und der Wiederverwendung von Bauteilen auf große Bauvorhaben und Stadtentwicklungsprojekte. Dafür braucht es Freiraum für Forschung und das Erproben ungewöhnlicher Lösungen. Diesen Rahmen soll Supertrifaller schaffen. Im Mittelpunkt stehen Pionierprojekte, bei denen Erhalt, Reparatur und Wiederverwendung von Beginn an die Planung bestimmen und konsequent umgesetzt werden.
Die Partner bringen unterschiedliche Erfahrungen ein: DTFLR verbindet Expertise in der Bauteilwiederverwendung mit der Planung und Realisierung komplexer Bauvorhaben. 2upertecture ergänzt diese um experimentelle Arbeitsweisen aus der Praxis und erprobtes Recyclingwissen eines gemeinnützigen und global agierenden Vereins. Über die strategische Partnerschaft kann dieses Wissen nun in einem wirtschaftlichen Rahmen überführt werden. Zugleich eröffnet die Zusammenarbeit die Möglichkeit, Unternehmen bei Bauaufgaben in größeren Maßstäben zu beraten.
„Für konsequente Wiederverwendung reichen gute Ideen allein nicht aus. Es braucht neue Prozesse, klare Verantwortlichkeiten und die Bereitschaft, Planung anders zu organisieren. Mit Supertrifaller schaffen wir genau dafür eine Struktur: Wir verbinden experimentelle Ansätze mit der Erfahrung und Umsetzungskraft, die es braucht, um aus ihnen gebaute Realität zu machen“, sagt Patrick Stremler, CEO und Partner von DTFLR.
Wiederverwendung in der Praxis
Damit vorhandene Bauteile erneut eingesetzt werden können, müssen Materialsuche, Planung und Ausführung frühzeitig verzahnt werden. Supertrifaller begleitet Bauherrschaften und Planungsteams in diesem Prozess – von der ersten Konzeption bis zur praktischen Organisation der Wiederverwendung. Das Spezialbüro übernimmt dabei insbesondere jene Aufgaben zwischen Beschaffung, Aufbereitung und Einbau, für die es bislang häufig keine etablierte Zuständigkeit gibt.
Bereits vor dem eigentlichen Entwurf untersucht das Team den Bestand und die Potenziale vorhandener Bauteile und Materialien. Daraus entstehen Strategien für Erhalt, Reparatur und weitere Nutzung. Supertrifaller erschließt geeignete Materialquellen, organisiert die Logistik und bringt die erforderlichen Fachleute zusammen. Muster und Prototypen ermöglichen es, ungewöhnliche Lösungen zu erproben und bis zur Realisierung weiterzuentwickeln.
„Form follows availability“ beschreibt den gestalterischen Ansatz. Ausgangspunkt können vorhandene Gebäude, verfügbare Bauteile oder lokale Materialien sein. Planung und Materialsuche greifen dabei ineinander: Verfügbarkeiten werden geprüft, Lösungen angepasst und Entscheidungen im Verlauf des Projekts weiterentwickelt.
„Mit dem zu arbeiten, was schon da ist, bedeutet nicht Verzicht, sondern eröffnet einen enormen gestalterischen Spielraum. Wenn vorhandene Gebäude, Bauteile und Materialien zum Ausgangspunkt werden, entstehen andere Entwürfe und überraschende Lösungen. Genau darin liegt für uns das Potenzial einer Architektur, die nicht immer wieder Neues braucht, um Neues zu schaffen“, sagt Till Lill von 2upertecture.
Vom Einzelprojekt zum übertragbaren Wissen
Jedes Projekt dient zugleich dazu, neue Verfahren zu erproben und Erfahrungen für kommende Aufgaben zu sammeln. Deshalb gehört auch die Dokumentation zum Arbeitsprozess. Erkenntnisse aus Planung und Realisierung werden in Fotografie, Film, Publikationen und anderen Formaten festgehalten und zugänglich gemacht.
Aus den einzelnen Pionierprojekten entsteht so schrittweise ein wachsendes Archiv des kreislaufgerechten Bauens. Erfolgreiche Lösungen können als Beispiele, Anleitungen und Forschungswissen weitergegeben werden – mit dem langfristigen Anspruch, auch Planungsstandards, Normen und den Umgang mit vorhandener Bausubstanz weiterzuentwickeln.
Jüngste Beispiele der bereits erprobten Zusammenarbeit sind die Alpenvereinshütte Hinteralmhaus, Mitwirkung beim Neubau des Logistikzentrums der Firma Primavera oder die Entwicklung eines zirkulären Fertigteilhauses zusammen mit dem Fertighaushersteller Baufritz.
