Unternehmen sehen sich mit einer zunehmend komplexen Bedrohungslage konfrontiert. Mit der DIN SPEC 14027:2026 „Corporate Security – Anforderungen zur Stärkung physischer Resilienz von Organisationen“ steht ein themenübergreifender Orientierungsrahmen zur Verfügung, damit sich Unternehmen systematisch auf Risiken vorbereiten und ihre Widerstandsfähigkeit stärken können.
Die DIN SPEC führt bislang vielfach getrennt betrachtete Sicherheitsfelder zusammen, von der Unternehmens- und Standortsicherheit bis zu spezifischen Handlungsfeldern wie Lieferketten- oder Reisesicherheit und verbindet strategische Grundlagen mit konkreten Hilfestellungen für die Praxis. „Erstmals steht Unternehmen ein Werk zur Verfügung, das Corporate Security themenübergreifend betrachtet und zugleich konkrete Hilfestellungen für die praktische Umsetzung bietet“, sagt Rolf Holstein, Geschäftsführer der zur Kötter Unternehmensgruppe gehörenden German Business Protection (GBP), der an der Erarbeitung der DIN-Spezifikation beteiligt war.
Einzelne Aspekte der Unternehmenssicherheit sind bereits Gegenstand etablierter Normen und Standards. Doppelregelungen werden daher bewusst vermieden. So wird beispielsweise das Thema Sicherheitsdienstleistungen eingeordnet, für konkrete Anforderungen jedoch auf die bestehende DIN 77200 verwiesen. Dieses Prinzip zieht sich durch die DIN SPEC: Relevante Themen werden in den Gesamtkontext der Corporate Security eingeordnet und, wo erforderlich, mit bestehenden Regelwerken verknüpft. Mit Hilfe konkreter Anforderungskataloge, die als Orientierungshilfen und Checklisten dienen, können Unternehmen ihre Sicherheitsstrukturen überprüfen, relevante Handlungsfelder identifizieren und gezielt weiterentwickeln.
Ermittlung des individuellen Schutzbedarfs
Ein wesentlicher Aspekt ist die Ermittlung des individuellen Schutzbedarfs. Klassische Risikobetrachtungen orientieren sich häufig an der Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses und der möglichen finanziellen Schadenshöhe. Angesichts hybrider Bedrohungen stößt dieser Ansatz jedoch an Grenzen. Denn gezielte Störungen, Sabotage oder andere hybride Szenarien lassen sich nicht seriös vorhersagen. „Wer sich ausschließlich auf vermeintlich berechenbare Eintrittswahrscheinlichkeiten verlässt, greift angesichts der heutigen Bedrohungslage zu kurz. Entscheidend ist, wie kritisch Standorte, Anlagen, Prozesse oder andere schützenswerte Assets für die Funktionsfähigkeit der Organisation sind und welcher Gefahr sie ausgesetzt sind“, erklärt Holstein. Die DIN SPEC stellt daher die Assetkritikalität und die Bedrohungsintensität in den Mittelpunkt der Betrachtung.
Skalierbar für Mittelstand und Konzerne
Weil die DIN SPEC skalierbar ist, lassen sich Themenauswahl und Bearbeitungstiefe an den individuellen Bedarf anpassen. Damit richtet sie sich sowohl an mittelständische Unternehmen, die einen strukturierten Einstieg in die Corporate Security suchen, als auch an Konzerne mit bereits etablierten Sicherheitsstrukturen. Für Letztere kann die DIN SPEC zudem als Referenzpunkt dienen, um Handlungsbedarfe darzustellen, Sicherheitsmaßnahmen zu priorisieren und erforderliche Budgets zu begründen. Eine Zertifizierung auf Grundlage der DIN SPEC ist aktuell nicht möglich. Ihr Nutzen liegt vielmehr in einem anerkannten Orientierungsrahmen und konkreten Hilfen für die Bearbeitung relevanter Sicherheitsthemen. Auch gegenüber etablierten Regelwerken wie der VdS 3406 verfolgt die DIN SPEC einen anderen Ansatz: Während die VdS 3406 einen starken Objektbezug aufweist und einzelne Bereiche vertieft, geht die DIN SPEC 14027 stärker in die thematische Breite.
Quelle: Kötter
Red. Bearb. Michael Pecka
