Für die neue Metrolinie 2 in Turin erhielt der Entwurf von UNStudio (UNS) in Zusammenarbeit mit Settanta7, Mijksenaar, Frigorosso, 3BA und WSP den Zuschlag. Eine internationale Jury unter Vorsitz des französischen Architekten Dominique Perrault entschied sich für den Beitrag des Amsterdamer Büros, der die U-Bahn als Instrument der Stadtentwicklung und als neues öffentliches Wahrzeichen versteht.
„Für Turins neue Metrolinie 2 wollten wir mehr als nur ein Transportsystem schaffen. Wir wollten eine neue bürgerschaftliche Verbindung für die gesamte Stadt entwerfen, eine, die Turins Geschichte und seine Zukunft in einen direkten Dialog bringt,“ erläutert Ben van Berkel, Gründer und Principal Architect von UNStudio. Besonders wichtig sei, dass diese Metro „im wahrsten Sinne des Wortes öffentlich ist“, fügt er hinzu. Sie soll offen wirken, sicher und einladend, mit Stationen und Eingängen, die den öffentlichen Raum erweitern, sodass sich an manchen Stellen der Park mit der Metro trifft und Infrastruktur Teil des gemeinsamen sozialen Raums der Stadt wird.
Die Linie 2 ist deshalb als „urbaner Fluss“ konzipiert, der die historisch gewachsenen Bewegungsräume der Stadt – von den Flüssen Po und Dora bis zu den 18 km langen Arkadengängen – in eine zeitgemäße Verkehrsinfrastruktur übersetzt. Zentrale Entwurfsidee ist der Übergang: von Bogen zu Arkade, von Kurve zu Quadrat, von zurückhaltenden Fassaden zu atmosphärischen Innenräumen, die den Kontrast zwischen nüchterner Stadtstruktur und reich gestalteten Innenräumen aufnehmen.
Modulare Architektursprache
Insgesamt sind 32 Stationen geplant, in der ersten Phase werden zehn Stationen – darunter Mole Giardini, San Giovanni Bosco und Carlo Alberto – realisiert. Eine modulare Architektursprache ermöglicht Anpassungen an unterschiedliche städtebauliche Situationen und erlaubt gleichzeitig, die gestalterische Konsistenz entlang der gesamten Linie beizubehalten.
Das Gestaltungskonzept beruht auf drei Säulen beziehungsweise Ebenen, wie UNS sie beschreibt: einer übergeordneten Netzwerkidentität, die das Branding, Farb- und Materialkonzept umfasst, einer Systemidentität, die den Auftritt im Stadtraum prägt, sowie einer spezifischen Stationsidentität, die über Kunst, Landschaft und lokale Referenzen Themen wie Natur, Geschichte, Innovation und Kultur aufgreift. So soll jede Station einen eigenen Charakter erhalten, gleichzeitig aber eine klare Wiedererkennbarkeit und gute Orientierung gewährleisten.
Design unterstützt stressarmes Reisen
Im Inneren inszeniert UNS die Stationen als „Schmuckkästchen“: Während robuste Materialien wie Aluminium und Feinsteinzeug auf Stadtebene vorherrschen, sollen in den unterirdischen Räumen diffuse Beleuchtung, gut lesbare Wegeführung und von Terrazzo inspirierte Böden eine angenehme, intuitive und stressarme Reise ermöglichen. Das Design bezieht das gesamte Reiseerlebnis von der digitalen Planung bis zum Bahnsteig mit ein und versteht Infrastruktur ausdrücklich als öffentlichen Raum und sozialen Treffpunkt.
