Holzbau als konstruktives Leitmotiv
Die Besonderheit des Projekts liegt in seiner konsequenten, industriell vorgefertigten Holzkonstruktion. Die oberirdischen Tragwerke des Gebäudes bestehen aus standardisierten, industriell gefertigten Massivholzprodukten von Stora Enso. Die Pfosten-Riegel-Konstruktion sowie die Fassadenstruktur wurden mit Furnierschichtholz (Laminated Veneer Lumber, LVL) aus dem Stora-Enso-Werk im finnischen Varkaus realisiert. Die Innenwände, die Aufzugs- und Treppenhausschächte zur Aussteifung der Konstruktion sowie die Geschossdecken und das Dach bestehen aus Brettsperrholz (Cross Laminated Timber, CLT), produziert im Werk Gruvön, Schweden. In Summe umfasst das Tragwerk rund 7.600 m³ Fichtenholz und etwa 2.500 vorgefertigte Holzelemente. Die konsequente Elementierung und Vorfertigung erlaubte eine präzise Montage, reduzierte Bauzeiten und minimierte Beeinträchtigungen im innerstädtischen Umfeld – ein entscheidender Aspekt für Projekte dieser Größenordnung.
Flexible Struktur für lange Lebenszyklen
Ein wesentlicher Planungsgrundsatz war die langfristige Anpassungsfähigkeit des Gebäudes. Die Kombination aus Pfosten-Riegel-Konstruktion in LVL und aussteifenden CLT-Kernen ermöglicht große Spannweiten und weitgehend stützenfreie Zonen, in denen die Büro- und Hotelnutzung flexibel organisiert werden können. Die tragenden Holzbauteile bleiben weitgehend sichtbar: Die freiliegende Fichtenkonstruktion, kombiniert mit sorgfältig ausgeführten Details in Fichte und Esche, machen die Materialität zum zentralen Bestandteil des architektonischen Ausdrucks. Die Konstruktion unterstützt damit ein flexibles Nutzungskonzept, das Umnutzungen und Grundrissveränderungen über den Lebenszyklus des Gebäudes erleichtert.
Skulptural gestaltete Halle
Katajanokan Laituri ist als neuer Hauptsitz von Stora Enso konzipiert und wird zugleich zur Hälfte mit 164 Zimmern als Hotel genutzt. Die Büroflächen des Forstunternehmens sowie Lobby und zentrale Kommunikationsbereiche wurden von Anttinen Oiva Architects auch innenarchitektonisch gestaltet. Holz fungiert hier nicht nur als tragende Konstruktion, sondern als identitätsstiftendes Medium: Die sichtbaren Holzoberflächen, der gezielte Einsatz von Fichte und Esche im Innenausbau sowie der bewusste Verzicht auf kurzlebige Verkleidungsmaterialien stellen die Unternehmenskompetenz in der Holzindustrie räumlich dar. Besonders eindrucksvoll betont dies die skulptural gestaltete Halle im Zentrum des Gebäudes. Materialwahl und Detaillierung folgen der Leitlinie, ausschließlich natürliche, nachhaltige und würdevoll alternde Materialien einzusetzen. Neben Holz prägt insbesondere ein hellgrauer Granit – außen in der Fassade und im Außenbelag, innen in Böden und Details – die Atmosphäre und verankert das Gebäude in der granitgeprägten Architektur Helsinkis.
Klimaschutz und Ressourceneffizienz
Das Projekt zielt auf eine Minimierung der Klimaauswirkungen über den gesamten Lebenszyklus ab. Der Einsatz erneuerbarer, CO₂-speichernder Holzbaustoffe reduziert graue Energie und bindet über die Nutzungsdauer einen erheblichen Anteil an Kohlenstoff. Die Verwendung industriell vorgefertigter LVL- und CLT-Elemente begrenzt Materialverschnitt, ermöglicht eine präzise Planung der Bauprozesse und erhöht die Qualitätssicherheit. Die Holztragstruktur ist so konzipiert, dass Rückbau und stoffliches Recycling der Elemente perspektivisch erleichtert werden können – ein wichtiger Baustein zirkulärer Bauweisen.
Die unmittelbare Nähe zum Meer macht umfassende Hochwasserschutzmaßnahmen erforderlich. Als erstes Projekt der Revitalisierung von Katajanokka wurde hier die Erhöhung und technische Sicherung des Uferbereichs mitgedacht. Das Gebäude fungiert damit als Pilot für die schrittweise Anhebung und Reorganisation des gesamten Kais – mit dem Ziel, langfristig einen durchgehenden, öffentlich nutzbaren Raum vom Marktplatz bis zur Spitze der Halbinsel zu schaffen.
Text: Karin Kronthaler

