Wie ein Multi-Tenant-Investorenprojekt die zukunftsfähige Holz-Modulbauweise mit einem smarten Technik-Ansatz zu einem nachhaltigen Konzept zusammenführt, soll das Bürogebäude Zero. in Stuttgart-Möhringen im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 2027 in Stuttgart (IBA 2027) zeigen.
Wenn ein Projektsteuerungs- und ein Architekturbüro als angehende Mieter ein Bürogebäude bauen, darf die Messlatte schon etwas höher liegen. Oder auch mal ein klares Statement dabei herauskommen. Beides vereint das Büroprojekt „ZERO.“ in sich. Auf WhatsApp oder Instagram ist die Versalschreibung mit abschließendem Punkt in der Gen Z eine ausgesprochen klare Form der Ansage, der nachdrücklich kundgetanen Begeisterung. Schau- und Bauplatz dafür ist ein Konversionsareal: das ehemalige Hansa-Gelände in Stuttgart-Möhringen. Dort entsteht das Zero. nach den Plänen von Riehle Koeth Architekten zwischen dem kubischen Solitär des AEB Headquarters und der windmühlenartigen Struktur der neuen Feuerwache. Dort soll es „die Konventionen herkömmlichen Bauens durch Mut und Erfindergeist überwinden und im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 2027 in Stuttgart (IBA 2027) ein umgesetztes Beispiel und greifbares Vorbild für die dringliche Bauwende präsentieren“, wie die Architekten mitteilen.

Für dieses Statement vereint der Bürokomplex Funktionalität, Nachhaltigkeit und architektonische Gestaltung. Klimafreundliches und ressourcenschonendes Bauen führt er in Form einer Holz-Modulbauweise mit durchdachten, flexiblen Raumlösungen und einem umfassenden Energiekonzept zusammen. Die Kombination von standardisierten Holzmodulen und konventionellen Infrastruktur-Elementen schafft einen spannungsreichen Rhythmus und eine harmonische Gliederung. Das Ergebnis ist ein Gebäude, das sowohl im Innen- als auch im Außenbereich ein luftiges und modernes Erscheinungsbild hat.
Der längliche Baukörper formt mit zwei eingeschnittenen Höfen jeweils einen offenen und einen geschützten Raum. Der Eingangsbereich an der Sigmaringer Straße wird über einen halbüberdachten Freibereich inszeniert und bildet so eine repräsentative Adresse. Der Rückbereich des Gebäudes öffnet sich zu einem begrünten Kantinenhof und einem Übergang zum angrenzenden Gartenbereich des AEB Headquarters. Diese Gestaltung soll die Kommunikation zwischen den beiden Bauwerken fördern und den Campusgedanken stärken. Denn nicht zuletzt ist – neben dem Architekturbüro Riehle Koeth und der CPM GmbH Gesellschaft für Projektmanagement – der SAP-Lösungsanbieter AFI Solutions ein weiterer Mieter des Bürogebäudes, und der arbeitet eng mit der benachbarten AEB zusammen.
New Work und Shared Space
Auf dem 5.876 m² großen Gesamtgrundstück sind mit dem Zero. 14.200 m² BGF entstanden. Vier Vollgeschosse, ein Staffelgeschoss sowie ein Untergeschoss schaffen Raum für über 400 Arbeitsplätze, 112 Tiefgaragenstellplätze und 50 Fahrradstellplätze. Das Erdgeschoss bildet dabei einen „Shared Space“. Als offener, gemeinschaftlich genutzter Bereich bietet diese Zone den Mitarbeitenden zahlreiche Möglichkeiten zur Interaktion. Einladende Foyerbereiche, flexible Konferenz- und Besprechungsräume, ein Betriebsrestaurant mit integriertem „Work-Café“ sowie Fitnessflächen schaffen ein Umfeld, das sowohl Raum für konzentriertes Arbeiten als auch für informellen Austausch bietet. Die Büroflächen befinden sich in den vier stützenfreien Flügeln, die sich windmühlenartig um zwei Innenhöfe gruppieren. Die modulare Struktur erlaubt es, das Gebäude in L-förmige Mieteinheiten zu unterteilen. Das offene Raumkonzept fördert eine intensive interne Kommunikation und stellt gleichzeitig eine hohe Transparenz und Sichtverbindung zwischen den verschiedenen Bereichen her. Als „entscheidendes architektonisches Element“ bezeichnen Riehle Koeth Architekten dabei den sogenannten „Loop“ – eine ringförmige Raumstruktur, die durch ihre Anordnung und Öffnung den Dialog zwischen den Nutzerinnen und Nutzern unterstützen und gleichzeitig eine angenehme Proportionalität des gesamten Gebäudes gewährleisten soll.
Konstruktiv nutzt das Gebäude eine Kombination aus vorgefertigten Holzmodulen und konventionellen Bauelementen. Die zentrale Erschließung und die Infrastruktur sind in konventioneller Ortbetonbauweise ausgeführt. Auf dem Untergeschoss aus Stahlbeton ordnen sich dann die 286 vorgefertigten Holzmodule des Zero. an. Die modulare Bauweise verkürzte die Bauzeit um 50 Prozent und reduzierte den CO₂-Verbrauch in der Herstellung des Gebäudes um 40 Prozent. Die Verwendung von Holz als nachwachsendem Baustoff wird dabei sowohl im Skelettbau des Erdgeschosses als auch in den modularen Regelgeschossen maximiert.
Ökologische und soziale Nachhaltigkeitsaspekte
Nachhaltigkeit war auch die Leitlinie für das Energiekonzept des Gebäudes: Es setzt mit einem Low-Tech-Ansatz auf eine Reduzierung des CO₂-Verbrauchs in der Nutzungsphase. Natürliche Lüftung, Tageslichtnutzung und eine optimierte Fassadenöffnungsfläche reduzieren den Energiebedarf. Gleichzeitig sollen Photovoltaikanlagen, ein Eisspeicher für Kälteerzeugung und dezentrale Fassadengeräte zur Wärmeerzeugung und -abfuhr den Bedarf an fossilen Energieträgern minimieren. Die zwei begrünten Dachterrassen mit pergolaartigen Strukturen unterstützen das Nachhaltigkeitskonzept, indem sie zur Stromerzeugung und Regenwasserrückhaltung dienen. Gleichzeitig tragen sie mit attraktiven Ausblicken auf die Schwäbische Alb zur Wohlfühlqualität der Nutzerinnen und Nutzer bei. Die flexible Grundrissgestaltung, die durchdachte Raumplanung und die gemeinschaftlich genutzten Flächen fördern darüber hinaus die interdisziplinäre Zusammenarbeit und schaffen eine inspirierende Umgebung, in der Kreativität und Kommunikation im Vordergrund stehen.
Autor: Robert Altmannshofer
Projekt-Daten
Standort: Stuttgart-Möhringen
Bauherr: S111 GmbH, EEW GmbH
Architekten: RIEHLE KOETH, Stuttgart
Projektsteuerung: CPM GmbH
Planungsbeginn: 01/2022
Baubeginn: Q3/2023
Fertigstellung: 06/2025
Grundstücksgröße: 5.876 m²
BGF: 14.200 m²
Energie-Standard: KfW 40
Zertifizierung: DGNB Gold
