Mit dem Wasl Tower ist direkt neben dem Burj Khalifa im Zentrum von Dubai ein Mixed-Use-Hochhaus entstanden, dessen Fassade weit mehr Leistung verspricht als repräsentative Wirkung. Der imposante Turm, entworfen von UNStudio in Zusammenarbeit mit Werner Sobek und Arup, nutzt Keramik als klimaaktive Gebäudehülle. Mit seiner Fertigstellung Ende 2025 zählt der Turm nach Angaben der Architekten zu den höchsten Gebäuden mit Terrakotta-Fassade und setzt damit einen Akzent in einer Skyline, die sonst von Stahl und Glasoberflächen geprägt ist.
Traditionelles Material, neu interpretiert
Gerade im Wüstenklima Dubais ist die Fassade ein entscheidender Baustein für Energieeffizienz und Nutzerkomfort. Beim Wasl Tower übernehmen Keramiklamellen die Aufgabe, solare Wärmeeinträge zu reduzieren, Tageslicht kontrolliert ins Gebäude zu lenken und zugleich die architektonische Identität des Turms zu prägen. Keramik beziehungsweise Terrakotta ist in der Region kulturell verankert und gilt als langlebiges, robustes Material. Im Hochhausmaßstab erhält es jedoch eine neue Bedeutung, hier bildet es einen aktiven Bestandteil des Fassaden- und Klimakonzepts. Die Keramiklamellen sind abrieb- und hitzebeständig und eignen sich damit für die extremen klimatischen Bedingungen Dubais. Sie schützen die dahinterliegende Glasfassade vor direkter Sonneneinstrahlung, reduzieren Wärmestrahlung und tragen zur passiven Kühlung bei. Gleichzeitig schaffen sie ein charakteristisches Fassadenbild, das sich je nach Blickwinkel, Tageszeit und Lichtverhältnissen verändert. Die Gebäudeform unterstützt diesen Effekt. Der Turm vollzieht eine leichte Drehung beziehungsweise Ausrichtung in verschiedene Richtungen. Dadurch wirkt das Hochhaus nicht statisch, sondern verändert seine Erscheinung im Stadtraum. Die dynamische Form dient jedoch nicht nur der Ästhetik: Sie hilft auch dabei, Sonneneinstrahlung zu minimieren und die Schutzwirkung der Fassadenlamellen zu erhöhen.
360-Grad-Fassade als passiver Umweltfilter
Das Fassadenkonzept basiert auf einem umlaufenden 360-Grad-System. Die einzelnen Fassadenschichten orientieren sich an der jeweiligen Sonnenausrichtung des Gebäudes. Entwickelt wurde die Anordnung der Lamellen mithilfe parametrischer Modellierung. Dadurch konnten gestalterische Anforderungen und bauphysikalische Leistung eng aufeinander abgestimmt werden. Je nach Orientierung, Einstrahlung und Nutzungsanforderung variiert die Konfiguration der Fassadenelemente. Jede Verbundkeramiklamelle besitzt ein individuell gestaltetes Terrakotta-Profil. Die Lamellen sind zudem mit einer Metallglasur versehen, wodurch sich die optische Wirkung im Verlauf des Tages und über die Jahreszeiten hinweg permanent ändert. Der Hohlraum zwischen den Lamellen und der inneren Fassadenebene trägt zur passiven Kühlung bei.
Für den Gebäudebetrieb ist vor allem die Reduzierung des Kühlbedarfs relevant. Die keramische Verschattung trägt laut der Projektangaben dazu bei, den Kühlbedarf gegenüber älteren Hochhäusern der Metropole um etwa zehn Prozent zu senken.
