DGNB-Zertifikat zum Ressourcenschutz beim Rückbau

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat ein neues Zertifizierungssystem entwickelt, das sich gezielt dem Rückbau von Gebäuden widmet. Für einen verantwortungsvolleren Umgang mit Ressourcen in der Bau- und Immobilienwirtschaft setzt das Zertifikat Anreize, die Nachhaltigkeit von Rückbauprozessen zu steigern. Dabei geht es um die sortenreine Trennung von Abfällen, die Wiederverwendung von Materialien sowie um die Gefahrstoffsanierung, die Risikobewertung und die Kostensicherheit. Das neuartige System richtet sich an Kommunen, Bauherren, Planer sowie Rückbau- und Recyclingunternehmen.

Zwölf Kriterien für den Rückbau

Inhaltlich zielt das DGNB-Rückbauzertifikat darauf ab, Rohstoffe im Kreislauf zu führen, Recycling zu unterstützen und die zu entsorgenden Massen zu reduzieren. Dazu umfasst es insgesamt zwölf Kriterien. Aus ökologischer Sicht geht es um die Materialstrombilanz und die Gefahrstoffsanierung. Bei den ökonomischen Kriterien handelt es sich um Risikobewertung und Kostensicherheit sowie Werte ausbaufähiger Ressourcen. Projektkommunikation und Sicherheit sind die Kriterien, die der soziokulturellen und funktionalen Qualität zugeordnet werden. Auf der technischen Ebene spielen die Verwertung und Entsorgung sowie die sortenreine Trennung und Kreislaufführung eine Rolle. Ein besonderer Fokus des Zertifizierungssystems liegt auf der Prozessqualität. Bewertet werden hier vier Kriterien: Rückbauplanung, Ausschreibung, Qualitätssicherung und Dokumentation sowie Baustelle und Rückbauprozess.

Einbindung aller beteiligten Akteure

Von besonderer Relevanz bei der Anwendung des Systems ist das Zusammenspiel verschiedener Projektpartner, für die sich unterschiedliche Vorteile ergeben. Eine dieser beteiligten Parteien sind Kommunen. Das DGNB-Rückbauzertifikat dient diesen in Form einer umfassenden Qualitätssicherung und Erfolgskontrolle. Dabei kann es zum Beispiel als Voraussetzung zur Vergabe von Abbruchgenehmigungen eingesetzt werden. Auch für Eigentümer und Bauherren von Gebäuden, die rückgebaut werden sollen, bringt die Anwendung des neuen Zertifikats Vorteile. So hilft es bei der Kostensicherheit und Risikominimierung. Dabei geht es um Themen wie Abfall, Sorgfaltspflicht beim Arbeitsschutz oder Bausubstanzrisiken. Bauherren erhalten eine umfassende Dokumentation des Rückbaus und profitieren von einer erhöhten Prozesssicherheit. Rückbauplanern, die im Sinne einer Circular Economy eine Kreislaufführung der Roh- und Baustoffe aktiv vorantreiben wollen, wird über die DGNB Zertifizierung ein bewertbarer Handlungsspielraum aufgezeigt.

In den kommenden Monaten wird das neue Zertifizierungssystem bei ersten Projekten angewandt. Nach Ablauf der Testphase soll es bei einer erfolgreich abgeschlossenen Rückbauzertifizierung eine positive Berücksichtigung geben, wenn die entsprechenden Folgeprojekte eine DGNB-Zertifizierung für Neubauten oder Sanierungen anstreben.

Mehr zum Recycling von Baustoffen lesen Sie in Ausgabe 4/2020 von industrieBAU. Jetzt eine Ausgabe kostenlos testen!

Die DGNB gibt am 12. August 2020 einen digitalen Überblick über das Rückbau-Zertifikat.