Mittwoch, 22. April 2026

Sustainability Challenge 2026: Finalisten stehen fest

Bei der Endauswahl des Innovationswettbewerbs der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) bestimmte die Jury aus über 120 Einreichungen zehn Finalisten in den Kategorien Start-up, Innovation und Forschung und vergab zudem zwei studentische Sonderpreise. „Wir haben dieses Jahr wieder eine deutliche Steigerung an Bewerbungen für unseren Innovationswettbewerb erlebt“, erklärt Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der DGNB. „Gerade in Zeiten, in welchen Nachhaltigkeitsthemen in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft wieder mehr in Frage gestellt werden, zeigt die DGNB Sustainability Challenge, dass es in der Bau- und Immobilienbranche genug Menschen gibt, die dranbleiben und die Transformation des Bausektors hin zur Nachhaltigkeit wirklich wollen.“

Kategorie „Innovation“

In der Kategorie „Innovation“ steht das Unternehmen ClayTec in der Endauswahl. Dank der Wasserlöslichkeit seines Lehm-Dünnbettmörtels können Ziegel- und Massivwände erstmals komplett zurückgebaut werden. Kombiniert werden kann dieser Spezialmörtel beispielsweise mit dem GIMA-Lehmhochlochziegel des Unternehmens Girnghuber, das damit ebenfalls im Finale ist. Der Mauerstein ist vollständig recyclebar und als erster seiner Art für sämtliche Gebäude bis Gebäudeklasse 5 zugelassen. Das Ingenieurbüro schlaich bergermann partner und die thomas gruppe überzeugten die Jury mit concap, einer seriell gefertigten Kappendecke aus Betonfertigteilen. Durch die Gewölbeform der Bauteile soll das Produkt etwa 50 Prozent Konstruktionsbeton gegenüber einer Flachdecke einsparen. Als vierter Finalist der Kategorie „Innovation“ ist die Optigrün international AG mit einer Wasserbilanzsteuerung für ein intelligentes Regenwassermanagement mit dabei.

Kategorie „Start-up“

In der Kategorie „Start-up“ steht zum einen Earthbound im Finale. Das junge Berliner Unternehmen nutzt Baustellenaushub zur Herstellung von ungebrannten, CO2-reduzierten, vollständig zirkulären Lehmbaustoffen. Ebenfalls in die Endauswahl hat es das Start-up Ecalia aus Stuttgart geschafft. Mithilfe eines Kompressor-Entspanner-Systems steigert das Unternehmen die Effizienz von Wärmepumpen in dem Maße, dass für Altbauten eine bislang fehlende wirtschaftliche Lösung geschaffen wird. Der dritte Finalist der Kategorie „Start-up“ ist Ligaro aus Hannover. Das Unternehmen entwickelt und vertreibt fossilfreie und ungiftige Klebstoffe auf Basis von pflanzlichen Industrie-Reststoffen für den Einsatz bei Holz und sonstigen Werkstoffen.

Kategorie „Forschung“

Im Finale der Kategorie „Forschung“ steht das Projekt „CO₂-neutrales Welterbe Speicherstadt Hamburg“, dessen Gesamtkoordination in der Verantwortung von HHLA Immobilien liegt. Das Forschungszentrum Jülich ist Projektträger und die Forschungskoordination hat das Institut für Werkstoffe im Bauwesen an der Universität Stuttgart übernommen. Mit dem Ziel, das Bestandsquartier bis 2050 komplett CO2-neutral zu betreiben, wurde ein Versorgungskonzept mit lokal verfügbaren erneuerbaren Energien entwickelt. Das von der RWTH Aachen durchgeführte Forschungsprojekt „Entwicklung einer Methodik zur Evaluierung der Wiederverwendbarkeit von Bauteilen im konstruktiven Stahlbau mittels digitalem Bauteilpass – Eva Steel“ zielt erstmals auf eine ganzheitliche Bewertungsmethodik für die Wiederverwendung von Stahlbauteilen ab. Zudem wählte die Jury das Projekt „Timber Earth Slab“ von der Technischen Universität München unter die Finalisten. Dahinter steht die Entwicklung eines Bausystems für den mehrgeschossigen Holzbau, welches die konstruktiven und bauphysikalischen Vorteile von Holz und Lehm mithilfe digitaler Planungsmethoden und robotischer Fertigung optimal nutzt.

Sonderpreise und Pitch-Event

Auch in diesem Jahr vergibt die DGNB wieder Sonderpreise an zwei studentische Projekte. Die erste Auszeichnung geht an eine Forschungsgruppe der TU Braunschweig für das Projekt „reziproof“. Die Studierenden nutzen digitale Planungswerkzeuge und robotische Fertigung, um bisher als Brennholz verwendetes Krummholz für Dachtragwerke konstruktiv nutzbar zu machen. Den zweiten Sonderpreis erhält Julia Bakucz vom Karlsruher Institut für Technologie für ihre Masterarbeit „Terratorium“, die sich mit dem Wiederaufbau nach dem Erdbeben in Marokko im Jahr 2023 befasst.

Die erste Gelegenheit die Menschen hinter den genannten Projekten kennenzulernen, bietet sich am 4. Mai 2026 im Rahmen einer digitalen Veranstaltung an, bei der sich alle Finalisten in Kurzpräsentationen vorstellen. Am DGNB Tag der Nachhaltigkeit (16./17. Juni 2026, Stuttgart) präsentieren sie ihre Projekte live auf der Bühne.

Die Auswahl der Finalisten und Gewinner der DGNB Sustainability Challenge erfolgte durch eine Expertenjury, bestehend aus:  Dr. Anna Braune (DGNB), Gerhard Breitschaft (Deutsches Institut für Bautechnik), Bernd Döring (FH Aachen), Gregor Grassl (Drees & Sommer), Marie Hirnsperger (Behnisch Architekten), Johannes Kreißig (DGNB), Dr. Christine Lemaitre (DGNB), Katrin Mees (Zentralverband Deutsches Baugewerbe), Jasna Moritz (kadawittfeldarchitektur), Martin Pauli (Arup Deutschland), Martin Prösler (Proesler Kommunikation), Dr. Clarissa Rhomberg (ZirkuLIE), Prof. Dr.-Ing. Patrick Teuffel (Circular Structural Design).

Darüber hinaus lobt die DGNB auch in diesem Jahr wieder einen Publikumspreis aus. Basis ist ein vom 4. Mai bis zum 16. Juni 2026 laufendes Online-Voting sowie eine Vor-Ort-Abstimmung des Publikums beim DGNB Tag der Nachhaltigkeit. Alle Informationen zur Abstimmung sowie zu den zwölf Unternehmen und Projekten in der Endauswahl finden sich hier.

Mehr zum Thema Zirkuläres Bauen, kreislauffähige Produkte und aktuelle Forschungsprojekte lesen Sie in einem zwölfseitigen Themenschwerpunkt der industrieBAU, Ausgabe 2. Sichern Sie sich zwei Hefte zum Probelesen mit dem kostenlosen Testabo.

Neueste Beiträge