Rewe Green Farming Berlin: Vom Prototyp zur Serienreife

Mit BIM geplant, aus Holz gebaut und mit eigener Farm auf dem Dach: Der im Mai 2026 eröffnete Rewe Green Farming Markt in Berlin-Lankwitz markiert den Startschuss für eine neue kreislauffähige Supermarkt-Generation, die Markthallenflair mit urbanem Lebensmittelanbau kombiniert. Die Idee hinter dem Konzept ist schnell umrissen: Im Laufe des vergangenen Jahrhunderts hat sich der Mensch bekanntermaßen zunehmend von der Natur, vom Rhythmus der Wachstumsperioden und von der Herkunft der Lebensmittel entfremdet. Als sich Märkte zu Supermärkten entwickelten, trat Bequemlichkeit an die Stelle von Saisonalität und Regionalität. Diesem Dilemma begegnet Rewe mit dem „back to the roots“-Ansatz. „Um Lebensmittelsysteme nachhaltiger zu gestalten, müssen Geschäfte wieder als echte Marktplätze dienen, auf denen lokal angebaute, saisonale Produkte im Mittelpunkt stehen“, heißt es in der Projektbeschreibung des Green Farming Markts in Berlin-Lankwitz. Dieser Trend wird zwar durch das regional angehauchte Produktsortiment einiger Supermärkte bereits umgesetzt, weil regional ein Stück weit schick ist, aber nicht in letzter Konsequenz. Das modulare Marktkonzept Rewe Green Farming wurde vom Architekturbüro acme entworfen, weiterentwickelt und in Berlin realisiert. Es lässt sich an unterschiedliche Standorttypologien anpassen und ist daher für einen sukzessiven Roll-out geeignet.

Von Green Building zu Green Farming

Bis zum Bau des Berliner Marktes war es ein langer Weg: Bereits im Jahr 2009 startete Rewe in Berlin-Rudow das Projekt Rewe Green Buildings – seither wurden bundesweit über 350 dieser energiesparenden Supermärkte errichtet. Die Weiterentwicklung des Typs gipfelte 2021 im Bau des ersten kreislauffähigen Supermarkts in Wiesbaden-Erbenheim. Aus dem Pilotprojekt entwickelten Rewe und acme dann den Prototypen für die neue Green-Building-Generation. Von Berlin aus wird der neue Bautyp nun mit variabler Dachnutzung in Serie gehen, kündigen die Verantwortlichen an. „Unsere neuen Green Buildings sind ein herausragendes Beispiel dafür, wie die Zukunft des Bauens aussehen muss: kreislauffähig, mit der richtigen Materialwahl und immer mit Blick auf die Umweltauswirkungen“, erklärt Klaus Wiens, Head of Filialbau bei Rewe.

Das Hauptelement der neuen architektonischen Identität für Rewe bildet eine ikonische, aber schlichte Holzkonstruktion. Im Gegensatz zu herkömmlichen Supermärkten, die vor allem durch Regale und Theken strukturierte Hallen sind, sorgen im Green Farming Markt 72 massive Säulen aus übereinander gestapelten Holzbalken für ein Einkaufserlebnis mit einer menschlicheren Dimension. Die Elemente sind modular aufgebaut und lassen sich leicht an jede neue Marktgröße und -konfiguration anpassen. Die Konstruktion ist sichtbar, denn die Materialität wird bewusst in den Vordergrund gestellt und reicht zudem über die Fassade hinaus. Somit entsteht ein geschützter Außenbereich, in dem beispielsweise als Ergänzung zum Angebot lokale Erzeugnisse an Marktständen verkauft werden können.

Hydroponische Dachfarm

Holz bietet nach Ansicht der Architekten bei Projekten dieser Art Vorteile gegenüber herkömmlichen Baumaterialien: Es speichert Kohlenstoff und kann dank der modularen Bauweise demontiert und für ein zweites Leben wiederverwertet werden. Auch der Betrieb wird dem Nachhaltigkeitsansatz gerecht und ist auf effiziente Kreisläufe ausgerichtet: Abwärme aus dem Markt, eine Wärmepumpe und Regenwasser aus einer Zisterne sorgen für optimale Wachstumsbedingungen für die Aufzucht des Salats im ebenfalls modularen Gewächshaus auf dem Dach. Große Glasfassaden verbinden den Innenraum mit der Landschaft und durchfluten ihn mit natürlichem Licht, wodurch die Transparenz des Lebensmittelherstellungsprozesses hervorgehoben wird. Die zirka 2.760 m² große Dachfarm ist von weither sichtbar; sie ist Blickfang und Markenversprechen zugleich.

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