Bürohaus Monaco mit Cradle-to-Cradle-Fassade

Das vom Grünwalder Projektentwickler Rock Capital Group und vom Architekturbüro MVRDV entworfene Bürohaus Monaco in der Helmut-Dietl-Straße im Münchner Werksviertel vereint stilvolles Design mit dem Cradle-to-Cradle-Gedanken. Ein Teil der Fassade wird mit Pretty Plastic-Schindeln des gleichnamigen niederländischen Unternehmens gestaltet, die Produkte aus ausgedienten Baumaterialien wie alten Fensterrahmen, Dachrinnen und Fallrohren herstellen. „Die Fassaden aus 100 Prozent recyceltem PVC beweisen, dass Abfall nicht versteckt werden muss, sondern zum prägenden Gestaltungselement und Eyecatcher werden kann. Jede Fliese steht für die Idee, vorhandene Materialien so lange wie möglich im Kreislauf zu halten und ihnen mindestens ein zweites, langes Leben zu geben“, sagt Hajo Reinders, Geschäftsführer bei Pretty Plastic.

Die Idee entstand während der Dutch Design Week mit einem Pavillon, für den Schindeln aus recyceltem Kunststoffabfall entwickelt wurden. Das temporäre Designobjekt erzeugte Aufmerksamkeit, es folgten Projekte in verschiedenen Ländern. „Aus dem Experiment ist ein internationales Beispiel geworden, wie Kreislaufwirtschaft in der Bauindustrie sichtbar, ästhetisch und skalierbar werden kann“, sagt Designer Reinder Bakker, der das „schöne Plastik“ gemeinsam mit Hester van Dijk von Overtreders W und dem Architekten Peter van Assche vom bureau SLA entwickelt hat. Entscheidend sei von Anfang an gewesen, dass Pretty Plastic nicht wie ein klassisches Recyclingprodukt aussieht, sondern als ein eigenständiges architektonisches Material funktioniert. „Die Schindeln erzählen zwar von Wiederverwertung, aber sie tun das mit Farbe, Tiefe und Schönheit“, erläutern die Erfinder.

Bei dem Bürogebäude lässt die Rock Capital Group rund 12.000 Pretty-Plastic-Schindeln in sieben Farbtönen verbauen – von Hellgrau über verschiedene Grüntöne bis zu Bronze, Mauve und Lila. Angebracht werden sie in einer farblich kuratierten Rautenstruktur. Jede Schindel ist durch den Herstellungsprozess individuell marmoriert und ein Unikat.

Unterschiedliche Formen und Oberflächen

„Für uns ist die maximal nachhaltige Fassade ein wesentliches Gestaltungselement. Während viele Neubaufassaden heute von Glas, Aluminium, Beton oder standardisierten Dämmoberflächen dominiert werden, setzt das Monaco bewusst auf Materialvielfalt, Plastizität und Wiedererkennbarkeit“, sagt Andreas Wißmeier, Geschäftsführer bei der Rock Capital Group. Viele moderne Fassaden nehmen seiner Meinung nach den Städten ein Stück Authentizität. „Sie erfüllen technische Anforderungen, sehen aber häufig fast identisch aus. Dadurch werden ganze Straßenzüge und sogar Städte austauschbar und uniform. Beim Monaco wollten wir das Gegenteil erreichen: eine Fassade, die Tiefe, Charakter und eine eigene Geschichte hat und sich deutlich absetzt vom üblichen Standard. Die Gebäudehülle wirkt über Farbe, Struktur und Plastizität.“

Die niederländische Manufaktur entwickelt ihre Fassadenelemente in unterschiedlichen Formen und Oberflächen. Beispiele sind die Basic-Third-Kacheln oder Second-High-Elemente. Dadurch unterscheiden sich die Elemente nicht nur in der Farbgebung, sondern in ihrer Dreidimensionalität. „Je nach Form entsteht eine andere Lichtwirkung, eine andere Haptik und eine andere skulpturale Präsenz“, erklärt Sven Thorissen von MVRDV, die für den Entwurf verantwortlich sind und den Baustoff nach Deutschland geholt haben.

Kombination mit recycelten Klinkersteinen

Das Monaco verbindet die farbigen Kunststoffschindeln zusätzlich mit recycelten Klinkersteinen. Die aus industriellem Abbruch geretteten, teils schon über 100 Jahre alten Vollbrandziegel, aus denen ein weiterer Teil der Fassade aufgebaut wird, ergänzen die Optik des Hauses. Auf sechs Geschossen entstehen rund 4.000 m2 Bürofläche. Hinzu kommen rund 580 m2 Terrassen- und Rooftop-Flächen, die einen spektakulären Rundumblick über das Werksviertel bieten und sowohl als Meetingbereich als auch als Eventfläche genutzt werden können. Im Erdgeschoss steht den zukünftigen Nutzern ein privater und sehr attraktiv gestalteter Pocket Garden zur Verfügung. Die Büroflächen sind stockwerksweise ab etwa 500 m2 anmietbar oder lassen sich bei Bedarf als Single-Tenant-Lösung für ein Unternehmen darstellen. Bis Herbst dieses Jahres wird der Rohbau stehen, Ende des zweiten Quartals 2027 folgt die Fertigstellung des Innenausbaus. Die komplette Bezugsfertigkeit ist für Anfang Oktober 2027 vorgesehen.

Das Projekt wurde mit WiredScore-Platinum-Zertifikat, German Design Award 2025 und Iconic Award 2025 in der Kategorie „Concept – Visionary and Uncompleted Architecture“ ausgezeichnet.

Mehr zu innovativen Fassadensystemen lesen Sie in der industrieBAU, Ausgabe 5. Sichern Sie sich jetzt ein kostenloses Probeabo.

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