Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat die Sieger ihrer Sustainability Challenge 2026 gekürt. Gleich drei Preise räumte die CO2-neutrale Speicherstadt Hamburg ab. Das Projekt erhielt den ersten Platz der Kategorie „Forschung“, den Sonderpreis „Klima“ und den Publikumspreis. Weitere Gewinner waren das Ingenieurbüro schlaich bergermann partner und die thomas gruppe mit der Kappendecke concap in der Kategorie „Innovation“ und Ligaro mit einer Klebstoffalternative in „Start-up“. Die Preisverleihung fand im Rahmen des DGNB-Tags der Nachhaltigkeit am 17. Juni 2026 in Stuttgart statt. „Die DGNB Sustainability Challenge sendet mehr denn je eine wichtige Botschaft in die Baufachwelt“, sagt Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der DGNB. „Sie zeigt, wie erfinderisch und kreativ die Branche mit aktuellen Herausforderungen umgeht und verdeutlicht, dass der Markt bereits einen Reichtum an Ideen bereithält, um die Transformation unserer gebauten Umwelt jetzt umzusetzen – aktuellen politischen Entscheidungen zum Trotz.“
Speicherstadt Hamburg: Denkmalschutz und Klimaneutralität
Das mehrfach preisgekrönte Projekt hat zum Ziel, das denkmalgeschützte Quartier ohne Eingriffe in das Erscheinungsbild bis 2050 klimaneutral zu versorgen. Das Energiekonzept beinhaltet primär ein thermisch und elektrisch aktiviertes Dach sowie hocheffiziente Wärmepumpen, zudem skalierbare Speichermöglichkeiten. Die Gesamtkoordination liegt in der Verantwortung von HHLA Immobilien; Projektträger ist das Forschungszentrum Jülich und die Forschungskoordination übernahm das Institut für Werkstoffe im Bauwesen an der Universität Stuttgart.
Innovationen im Bauwesen: Kappendecke und fossilfreie Klebstoffe
Bei concap handelt es sich um eine seriell gefertigten Kappendecke aus Betonfertigteilen. Durch die Gewölbeform der Bauteile spart das Produkt etwa 50 Prozent Konstruktionsbeton gegenüber einer Flachdecke ein. Mittels Kombination der statisch effizienten Gewölbetragwirkung mit wirtschaftlichen Fertigungsmethoden wird die historisch markante, aber schwere und zeitaufwändige Kappendecke in ein ressourcenschonendes Betonfertigteil überführt.
Das Start-up Ligaro aus Hannover entwickelt und vertreibt fossilfreie und ungiftige Klebstoffe auf Basis von pflanzlichen Industrie-Reststoffen für den Einsatz bei Holz und sonstigen Werkstoffen. Das Unternehmen bringt damit eine Klebealternative für etablierte Prozesse auf den Markt, das recyclingfähig ist und zur Dekarbonisierung des Bausektors beiträgt.
Sonderpreis für Klima und für studentische Projekte
In diesem Jahr vergab die DGNB erstmals zwei Sonderpreise „Klima“ an Projekte, die in besonderem Maße der Herausforderung Klimawandel Rechnung tragen. Neben der Forschungsgruppe der Speicherstadt durfte das Unternehmen Girnghuber für seinen Gima-Lehmhochlochziegel einen Preis entgegennehmen. Der Mauerstein besteht aus dem natürlichen Rohstoff Lehm, ist vollständig recyclebar und energieeffizient in der Produktion. Zugelassen ist der Stein bis Gebäudeklasse 5 für tragendes Lehmsteinmauerwerk im Dünnbettverfahren und dient als klimafreundliche Alternative zu konventionellen Plansteinen.
Eine Auszeichnung für studentische Projekte ging an eine Forschungsgruppe der TU Braunschweig für „reziproof“. Die Studierenden nutzten digitale Planungswerkzeuge und robotische Fertigung, um bisher als Brennholz verwendetes Krummholz für Dachtragwerke konstruktiv nutzbar zu machen. Den zweiten Preis erhielt Julia Bakucz vom Karlsruher Institut für Technologie für ihre Masterarbeit „Terratorium“, die sich mit dem Wiederaufbau nach dem Erdbeben in Marokko (2023) befasst. Am Beispiel eines Ausbildungszentrums für erdbebensichere Lehmbauten zeigt sie die Vorteile von Lehm als klimagerechte Alternative zum häufig verwendeten Stahlbeton auf.
Zu den übrigen Finalisten der DGNB Sustainability Challenge 2026 zählten in der Kategorie „Innovation“ das Unternehmen ClayTec mit einem Lehm-Dünnbrettmörtel und die Optigrün International AG mit einer Wasserbilanzsteuerung für intelligentes Regenwassermanagement. In der Kategorie „Start-Up“ waren Earthbound aus Berlin und Ecalia aus Stuttgart im Rennen. In der Kategorie „Forschung“ stand zudem das Projekt „Entwicklung einer Methodik zur Evaluierung der Wiederverwendbarkeit von Bauteilen im konstruktiven Stahlbau mittels digitalem Bauteilpass – „Eva Steel“ der RWTH Aachen und „Timber Earth Slab“ von der Technischen Universität München im Finale.
Weiterführende Informationen zu allen Gewinnern und Finalisten der DGNB Sustainability Challenge 2026 gibt es hier.
