Mit der Inbetriebnahme des Terminal 3 am Flughafen Frankfurt am Main im April 2026 wurde ein vielbeachtetes Infrastrukturprojekt seiner Bestimmung übergeben. Das von der Fraport AG realisierte und von Mäckler Architekten/CHM Airport als „Growing Beetle“ entworfene Terminal hat in der ersten Ausbaustufe eine Kapazität von bis zu 19 Mio. Passagieren jährlich.
Es war ein langer Weg – vom internationalen Wettbewerb im Jahr 2005 bis zur baulichen Finalisierung 2025. Allein zehn Jahre vergingen mit Studien und Objektplanung, dann folgte der erste Spatenstich, vier Jahre danach die Grundsteinlegung. Pier G mit eigenem Abfertigungsgebäude wurde als vorgezogene Maßnahme bereits 2022 fertiggestellt; er ist für Direktflüge („Point-to-Point“-Verkehr) zu klassischen Urlaubsdestinationen konzipiert und auf schlanke Prozessketten ausgelegt. Im April dieses Jahres wurde schließlich der gesamte Terminal 3-Komplex für den Passagierverkehr freigegeben – der „Growing Beetle“ ist durchgestartet.

Skizze: Christoph Mäckler
Der Name für das Entwurfskonzept, das die Jury im zweistufigen internationalen Wettbewerb überzeugte, ist Programm. Zum einen erinnert Terminal 3 auf den Skizzen tatsächlich an ein bizarres Insekt. Drei Teile – die Halle (Kopf), das Sicherheitsgebäude und der zentrale Marktplatz (Körper) sowie die Piers (Beine) – sind klar voneinander getrennt und entsprechend ihrer Aufgabe dimensioniert. Zum anderen steht im Vordergrund des Entwurfs ein modulares und wachstumsfähiges Terminalkonzept für alle Bereiche über die gesamte Betriebsdauer hinweg.
Pier K als künftige Ausbaustufe
Die Fluggäste reisen von den drei Piers G, H und J an und ab; sie sind derzeit auf eine jährliche Fluggastkapazität von bis zu 19 Mio. Passagieren ausgelegt. Pier K im Westen ist als zukünftige Ausbaustufe vorgesehen, sodass sich im Vollausbau die Kapazität von Terminal 3 auf bis zu 25 Mio. Passagiere pro Jahr erhöhen ließe. Damit diese Vision Wirklichkeit werden kann, wurden schon im ersten Bauabschnitt sämtliche Vertikalerschließungen einschließlich der erforderlichen Schächte errichtet. Dies ermöglicht es, alle Bauteile – die Halle, das Sicherheitsgebäude und den Marktplatz – beidseitig zu erweitern und mit neuen Piers zu ergänzen, ohne dass damit Baumaßnahmen im Inneren des Terminals verbunden sind. Mit diesem Konzept war es bereits während der Errichtung des ersten Bauabschnitts möglich, die notwendig gewordene Erweiterung der Sicherheitskontrolle ohne Eingriff zu realisieren und Pier G als eigenständige Baumaßnahme umzusetzen. „Terminal 3 ist ein hochkomplexes Verkehrsbauwerk, das technische Präzision mit architektonischer Klarheit und einem einladenden Wohlfühlcharakter verbindet. Seine selbstverständliche Gestalt macht die räumliche Organisation für Reisende intuitiv erfahrbar“, sagt Prof. Christoph Mäckler, der seit 1981 das Büro Mäckler Architekten in Frankfurt am Main leitet und 2008 das Deutsche Institut für Stadtbaukunst gründete. Er führt aus: „Architektur muss Orientierung schaffen. Terminal 3 ist deshalb klar gegliedert, in seinen Materialien robust angelegt und mit dem Konzept des ‚Growing Beetle‘ langfristig erweiterbar gedacht.“ Gerade Infrastruktur braucht seiner Ansicht nach architektonische Qualität, weil sie den Alltag so vieler Menschen prägt.
Räume wie Straßen und Plätze
Alle Räume des Terminals – darunter Piers, Gates, Lounges – sind wie die Straßen und Plätze einer Stadt entwickelt. Das gesamte Bauwerk ist auf das Wohlbefinden der Passagiere ausgerichtet und verfügt über ein durchgehendes Farb- und Materialkonzept, natürliches Tageslicht in allen Räumen, warme Natursteintöne durch Jura-Kalkstein und Travertin sowie beige eingefärbte Konstruktionen – darunter Stützen und Unterzüge. So entsteht eine hohe Aufenthaltsqualität, die dem hektischen Treiben eines Flughafens entgegenwirkt. Mäckler erklärt die Idee dahinter: „Fluggäste suchen vor oder nach einem Flug vor allem Ruhe und Entspannung. Diese besondere Qualität herauszuarbeiten war neben einer größtmöglichen technisch-funktionalen Flexibilität des Gebäudekomplexes das Leitmotiv beim Konzept. Mit dieser Haltung wird das neue Terminal 3 in Frankfurt international das erste unter den modernen Terminals sein.“
Den Beitrag von Kirsten Posautz lesen Sie in voller Länge in der Ausgabe Juni/Juli 2026 von industrieBAU.
